Geschichte

Lange Tradition im Oberland

Welche Geschichten könnte uns die Fahne mit dem lachenden Seelaub und dem Schriftzug „Seegeister Gmund und Dürnbach“ erzählen? Da die Seegeister Gmund-Dürnbach 2006 das 125. Jubiläum begehen konnten, bot sich ein Rückblick auf die Wurzeln des närrischen Treibens an.

Jahrhunderte lang wurde der Wechsel der Jahreszeiten, mit Winter- und Geisteraustreiben gefeiert. Vermummt mit wüsten Verkleidungen und Masken „jagte“ man mit Geschrei und Schellen den Winter aus. Doch in der Alpenregion und speziell im bayerischen Oberland entwickelte sich die „wuide“ Verkleidung nicht nur zu einem Instrument der Gaudi, sondern auch der Anonymität, wie man sie z.B. beim Haberfeldtreiben brauchte. Man weiß zwar nicht mehr genau, wo überall in unsrer Gegend Haberfeldtreiben stattfanden – doch belegt ist, dass sich die Haberer an der Leonhardikapelle in Festenbach trafen, da man von dieser Stelle die Umgebung gut übersehen und schnell im Wald verschwinden konnte, falls die Polizei anrückte.

Zebedäus Flederwisch

Die Anfänge der „Seegeister“-Tradition reichen bis ins Jahr 1879 zurück. Eine der schillerndsten Figuren des Gmunder Faschings dürfte Zebedäus Flederwisch (alias Xaver Steger) gewesen sein. Schon in Faschingszeitungen von 1912 und 1913 hinterließ der Maschinenführer, der in der Papierfabrik Louisenthal arbeitete, seine spitzzüngigen Spuren in Versform.

Auch durch die Weltkriege ließen sich die Gmunder nicht unterkriegen. 1949 organisierte man ein großes Faschingstreiben auf der Bernöckerwiese unter der Herrschaft von Faschingsprinz „Erwino von Triftinien“, alias Erwin Stang. Als Höhepunkt begeisterte das Fußballspiel Schottland : Dachau die Menge. Vielen unvergessen sind auch die legendären Faschingsfeste im Hotel „Maximilian“! Wenn beispielsweise der Glasl Ernst mit seiner „Dulcinea“ schwungvoll durch den Saal ritt. Nach dem Tod des beliebten „Seegeister“- Urgesteins hütete übrigens seine Ehefrau das liebevoll gestaltete, weiße Ross aus Pappmaché, bis sie es jetzt in die Hände von Lenz Ettstaller gab, der nun die liebgewordene Tradition fortführt.

75 Jahre Seegeister

1956 konnten die „Seegeister“ ihr 75. Bestehen feiern. Aus diesem Anlass beschloss die Vorstandschaft, endlich eine Vereinsfahne zu erwerben. Da keine finanziellen Mittel vorhanden waren, bat man die Mitglieder um Spenden. Die ließen sich nicht lange bitten, unter ihnen Erwin Stang, Sepp Kerndl, Rudi Neumeier, Fritz Hopf und Ernst Glasl. Mit großem Hallo stellte man dann zum ersten Mal im Fasching das bestickte Banner mit dem lachenden Seelaub und dem Schriftzug der „Seegeister Gmund und Dürnbach“ der Öffentlichkeit vor.

125 Jahre nachdem Zebedäus Flederwisch den Gmunder Fasching salonfähig machte, wurde die Fahne mit finanzieller Unterstützung, u.a. durch die Gemeinde Gmund, der Firma Waxenberger und des Elferrates, in Benediktbeuern restauriert. Seit Samstag, den 04.02.2006 kann unter diesem Banner dann wieder der Schlachtruf – ein 3faches „Seegeist“ – erklingen!